Veteranen mit posttraumatischen Stresssymptomen zeigen auch eine reduzierte Herzratenvariabilität, charakteristisch für eine mangelhafte Regulation des autonomen Nervensystems. Einige Studien konnten bereits zeigen, dass ein Biofeedback-Training der Herzratenvariabilität effektiv in der Reduktion der posttraumatischen Stresssymptome ist.

Zur Erinnerung: Die Herzratenvariabilität (manchmal auch Herzfrequenzvariabilität genannt) bezeichnet die Fähigkeit des Organismus die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern.

Ein gesundes Herz ist in der Lage sich auf innere und äußere Einflüsse einzustellen und sich laufend den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Wenn Sie sich also körperlich oder geistig anstrengen, führt dies in Regel zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, bei Entlastung oder Entspannung geht diese dann wieder zurück. Die HRV kann also als ein Spiegelbild für ein funktionierendes aber auch ein gestörtes vegetatives Nervensystem gesehen werden. Sie finden mehr Informationen dazu im Grundlagenartikel zu Biofeedback.

Die Studie

Die vorliegende Studie hatte das Ziel den Einfluss einer einzelnen HRV-Biofeedback Intervention auf die Stresssymptome und die Herzratenvariabilität zu untersuchen.

Die Teilnehmer waren Veteranen verschiedener Kriege mit posttraumatischen Stresssymptomen. Eine Gruppe erhielt Bauchatemtraing und HRV-Biofeedback verstärkt durch Übungen (mit Atempacing, zweimal täglich). Die zweite Gruppe erhielt nur das Training der Bauchatmung.

Das HRV-Biofeedback reduzierte signifikant die posttraumatischen Stresssymptome, das Training der Bauchatmung alleine tat dies nicht. Die Veteranen nahmen den Zugang gut an, was sich in einem hohen Grad an Befolgung der vorgeschriebenen Übungen, geringen Ausfällen und fortgesetzter Anwendung über die Zeit zeigte.

Fazit

Das interessante an dieser Studie ist die Anwendung nur eines einzelnen HRV-Biofeedback Trainings vor Ort und die Anwendung der Klienten dann im Rahmen von selbstständigen Übungen. In den meisten Fällen dürfte regelmäßige Arbeit mit einem Therapeuten und einem professionellen Biofeedback-System bessere Ergebnisse zeigen, jedoch stehen diese Bedingungen oft nicht zur Verfügung, daher kann dieser Zugang eine spannende Alternative bieten. Der Klient kommt zu einer Sitzung, lernt die Grundzüge der Methode und übt dann weiter. Dabei können kleine Heimgeräte (wie wir Sie für die alleinige Therapie nicht empfehlen) oder auch so simple Dinge wie ein Atempacing genutzt werden. Auch die Multimedia-Dateien die die Klienten in der Sitzung nutzen können je nach Dateiformat auf ein Handy übertragen werden.

Eventuell sind die positiven Effekte auch vor dem Gesichtspunkt des Aspektes der Psychoedukation zu sehen. Und zwar in dem Sinne, dass die Klienten mit dem HRV-Biofeedback lernen den Einfluss der Atmung und Stress auf die HRV zu verstehen und somit die Übungen präziser und motivierter durchführen. Wenn wenige Sitzungen zur Verfügung stehen, ist ein Fokus auf die Edukation des Klienten oft sehr sinnvoll um diesen für ein bio-psycho-soziales Krankheitsmodell und eventuell für weitere Therapiemethoden (Sport, Entspannungstraining, etc.) zu „öffnen“.

Natürlich muss kritisch angemerkt werden, dass die HRV-Klienten ja nicht nur die eine Sitzung mit HRV-Biofeedback erhalten haben, sondern auch zu Hause geübt hatten. Da es aber bereits andere Studien gibt, welche die Behandlung von PTBS mit HRV-Biofeedback (und generell mit Biofeedback als vielversprechend erscheinen) scheint diese Intervention doch ein sinnvoller Zugang zu sein.

 

Die StudieSchuman, D. L., & Killian, M. O. (2019). Pilot Study of a Single Session Heart Rate Variability Biofeedback Intervention on Veterans’ Posttraumatic Stress Symptoms. Applied psychophysiology and biofeedback, 44(1), 9-20. https://link.springer.com/article/10.1007/s10484-018-9415-3